Fachartikel: Daniel Hoch im Interview für die Huffington Post

Fachartikel vom 15. Juni 2015

Daniel Hoch im Interview für die Huffington Post.

Hallo Herr Hoch, in Ihrem Buch „Aufschieberitis – Die Volkskrankheit Nr. 1“ provozieren Sie mit Aussagen wie: ‚Beweg den Allerwertesten!‘ Was steckt dahinter?

„Heutzutage geben Menschen vor allem anderen die Schuld an ihrem Leben. In Momenten des Alltags erleben wir uns mehr als Opfer, fühlen uns unter Druck gesetzt, sind gestresst und niedergeschlagen – die Situationen kommen uns unveränderbar vor. Mein Buch ist ein Ratgeber gegen die ‚Aufschieberitis‘, um private und berufliche Ziele definitiv und effizient zu erreichen. Verantwortung kann jeder für sich selbst übernehmen und umsetzen – im Negativen und Positiven.“

Im Klartext: Kann ich durch Übernahme von Verantwortung meine Ziele erreichen? Wie geht das?

 „Anderen die Schuld zu geben hält auf, Resignation und Stillstand sind die Folge. Wenn ich endlich zu dem stehe, was ich will und dies auch umsetze, dann komme ich in Bewegung und somit meinen Zielen viele Schritte entgegen.“

In Ihrem Buch heißt es: Aufschieberitis kann zum Tod führen – wieso so dramatisch?

 „Weil das Thema unbedingt ernstgenommen werden muss! Ich habe es hautnah miterleben müssen. Mein Schwiegervater hatte einen Herzinfarkt und war gezwungen, streng auf sein Wohlbefinden zu achten, mehr für seine Gesundheit zu tun und sein Leben zu ändern. Dazu hat er sich dann auch bewusst entschlossen. Aber: Was ist passiert? Es hat nicht geklappt, weitere Herzinfarkte folgten und schließlich der Tod. Ein bewegendes Beispiel, das ich extra wähle, um zu zeigen: Nur, weil ich in meinem Kopf einen Entschluss fasse, heißt das noch lange nicht, dass ich auch danach handele. Diese Provokation soll aufwecken, ich möchte damit sagen: Kümmern Sie sich um sich, tun Sie etwas für Ihre Gesundheit und reden Sie nicht nur davon!“

Was kann ich gegen meine gewöhnliche Faulheit tun? Damit kämpft doch jeder von uns.

 „Wenn ich schon davon ausgehe, dass es schwer wird, wird es tatsächlich schwer. Wenn ich morgens aufstehe und denke, es wird ein anstrengender Tag – was wird es dann? …. Genau! Dann ist es Zeit für einen Perspektivwechsel: Nehmen Sie die negative Brille ab. Setzen Sie sich genaue Ziele mit einem festen Termin und lassen Sie diese durch einen Dritten kontrollieren, der Sie auch mal in den ‚Allerwertesten‘ tritt.“

Wie gehen Sie persönlich mit Ihrem inneren Schweinehund um?

„Gute Frage – es gibt keinen inneren Schweinehund. Wen sehen Sie morgens im Spiegel? Doch nur sich selbst. Der Schweinehund ist eine tolle Erfindung um sich von außen zu betrachten und Gewohnheiten deutlich zu machen. Allerdings ist der Effekt auch schnell zu Nichte gemacht, wenn ich wieder einen Schuldigen gefunden habe – diesmal den Schweinehund. Ich alleine übernehme die volle Verantwortung für mich – im Guten wie im Schlechten.“

Aber Ihre Kunden sind Unternehmer und Führungskräfte, also beruflich sehr aktiv. Was sagen Sie ihnen? ‚Beweg den Allerwertesten‘ doch wohl nicht, oder?

„In der Regel sind meine Kunden in vielen Dingen aktiv, allerdings nicht immer bei den wichtigen und vor allem den unbequemen. Ich stelle meinen Kunden immer folgende Frage: ‚Was bringt das beste Seminar, wenn es keiner umsetzt?‘ Heutzutage wird nur wenig vom Gelernten in die Praxis umgesetzt. Nachhaltigkeit und Transparenz sind entscheidend – in jedem Lebensbereich. Deswegen zählt für mich nur Klarheit, Wille und absolute Disziplin! Und dafür gehe ich den unbequemen Weg mit meinen Kunden und frage: Willst du was erreichen oder rumheulen?“

Hand aufs Herz: Wie hoch ist Ihre Quote? Wie viele von Ihren täglichen Zielen erreichen Sie?

„Meine Quote liegt bei 80-85%. Sie werden denken: Das sind aber keine 100%. Richtig! ‚Nein‘ sagen und sich Auszeiten nehmen, bewusst Pausen einlegen und sich die Freiheit gönnen, auch mal alles liegen zu lassen, das sind wichtige Leitsätze. Scheinbares Nichtstun meint hier eben ‚Aus-Zeit‘.

Ich presse mich heutzutage nicht mehr in die klassische Montag-Freitag-Woche, um dann auf Teufel komm raus am Wochenende zu entspannen. Stellen Sie sich vor, Sie liegen beim schönsten Sonnenschein am Mittwoch am See und machen ihre Schreibarbeit am Samstag, wenn es regnet…“

Was sind Ihre Geheimrezepte gegen die Aufschieberitis?

 „Jeder sollte sich bewusst machen: Welche Sachen schiebe ich ständig auf und warum tue ich das? Meine drei Lieblingsrezepte sind zum Glück allgemeingültig:

  • Beginnen Sie morgens immer mit den Dingen, auf die Sie am wenigsten Lust haben!
    Dafür reicht schon eine Stunde und danach sind Sie wieder frei für Angenehmes.
  • Mein zweites Rezept: ‚Nein‘ ist ein zeitsparendes Wort. Fangen Sie an, sich zu überlegen: Zu welchen Dingen kann ich ‚nein‘ sagen, worauf kann ich verzichten? Es ist wichtig, Verantwortung für sich selbst und sein Handeln zu übernehmen – eine gute Überleitung zu meinem dritten Geheimrezept:
  • Nur nett zu sein, ist auch keine Lösung! Finden Sie Ihren Mittelweg zwischen angenehmer und klarer Kommunikation. Seien Sie ehrlich, vor allem zu sich selbst – damit kommen Sie vorwärts!

Mehr Rezepte gibt es in meinem Buch. Oder im nächsten Blogeintrag – lassen Sie sich überraschen!“

Das werde ich, vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Sarah Teicher

 

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