Bewerten & Verwerten – Wie Sie mit einer positiven Grundannahme Konflikte vermeiden und klarer handeln
Was Sie in diesem Artikel erwartet:
- Warum Bewerten und Verwerten zwei völlig verschiedene Schritte sind
- Wie Sie durch eine positive Grundannahme gelassener bleiben
- Eine einfache Matrix, um Reaktionen klar einzuordnen
- Welche Bedeutung jeder Quadrant für das gemeinsame Wir und für andere hat
- Konkrete To-dos für Führungskräfte, um Konflikte zu minimieren
Konflikte in Unternehmen entstehen oft nicht durch das, was gesagt oder getan wird – sondern durch die Bedeutung, die wir dem Verhalten eines anderen geben, und die Handlungen, die wir daraus ableiten.
Die gute Nachricht: Wenn Sie diese beiden Schritte bewusst trennen und sich eine positive Grundannahme aneignen, verändert sich Ihr Umgang mit herausfordernden Situationen radikal – und zwar in Richtung Gelassenheit, Klarheit und Souveränität.
Schritt 1: Bewerten – Was bedeutet das für mich?
Jedes Ereignis, jedes Verhalten wird von uns zunächst bewertet.
Diese Bewertung geschieht oft automatisch, gefärbt durch unsere Erfahrungen, Werte und Erwartungen. Hier entscheidet sich bereits, ob wir innerlich in den Konfliktmodus gehen oder offen bleiben.
Beispiel:
Ein Mitarbeiter kommt zu spät.
- Negative Bewertung: „Er respektiert mich nicht.“
- Positive/Neutrale Bewertung: „Es gibt sicher einen Grund.“
Schritt 2: Verwerten – Was mache ich damit?
Nach der Bewertung folgt das Verwerten – also die konkrete Handlung oder Reaktion.
Hier entscheiden wir bewusst, ob wir auf Angriff, Rückzug oder konstruktiven Dialog setzen. Das Verwerten ist der Moment, in dem wir Klarheit leben und Verantwortung übernehmen können.
Beispiel:
- Impulsiv und negativ verwerten → Vorwurf: „Sie sind schon wieder zu spät!“
- Bewusst und konstruktiv verwerten → „Ist alles in Ordnung? Möchten Sie mir kurz sagen, was passiert ist?“
Die positive Grundannahme als Schlüssel
„Alles, was jemand sagt oder tut, sagt etwas über ihn. Es dient ihm positiv – und es ist für ihn in diesem Moment die beste Option.“
Diese Haltung ändert alles:
- Sie reduziert persönliche Kränkung, weil Sie verstehen: Es geht um den anderen, nicht um Sie.
- Sie erhöht Ihre Gelassenheit, weil Sie Verhalten als Selbstregulations-Strategie sehen.
- Sie macht Ihre Reaktionen konstruktiver, weil Sie nicht gegen, sondern für etwas handeln.
Die Matrix für mehr Klarheit
Stellen Sie sich vor, Sie kombinieren zwei Achsen:
- Wirkung: gut / schlecht
- Ausrichtung: für mich / für dich
| Für mich | Für dich | |
| Gut | Win für mich: Selbstfürsorge, Selbststärkung, persönliche Klarheit. Was bedeutet das für das Wir? Stärkt Vertrauen, weil Sie gesund Grenzen setzen. Was bedeutet das für andere? Sie erleben Sie als integer und authentisch. | Win für dich: Unterstützung, Förderung, Fürsorge. Was bedeutet das für das Wir? Baut gegenseitige Wertschätzung auf. Was bedeutet das für andere? Sie profitieren direkt von Ihrem Einsatz und erleben echte Kooperation. |
| Schlecht | Verlust für mich: Selbstsabotage, Anpassung gegen meine Werte. Was bedeutet das für das Wir? Schwächt das gemeinsame Fundament, weil Sie innerlich nicht klar sind. Was bedeutet das für andere? Sie sehen Ihre Unsicherheit und können Ihnen weniger vertrauen. | Verlust für dich: Verhalten, das dem anderen schadet. Was bedeutet das für das Wir? Zerstört Vertrauen und Zusammenarbeit. Was bedeutet das für andere? Sie fühlen sich verletzt oder ausgenutzt. |
Praxis-Tipps für Führungskräfte
- Trennen Sie innerlich Bewerten und Verwerten – atmen Sie zwischen beiden Schritten.
- Überprüfen Sie Ihre Grundannahme – gehen Sie davon aus, dass der andere gerade seine beste Option wählt.
- Fragen Sie sich bei jedem Quadranten: Was bedeutet das für unser gemeinsames Wir – und was für die anderen?
- Reagieren Sie für, nicht gegen – formulieren Sie Ihre Handlungen so, dass sie etwas Positives fördern.
Fazit
Klarheit in der Führung beginnt damit, dass Sie nicht jeden Impuls sofort in Handlung umsetzen.
Indem Sie bewusst bewerten und erst dann wertschätzend verwerten, reduzieren Sie Konflikte und stärken Beziehungen.
Die positive Grundannahme ist dabei Ihr innerer Kompass – und sorgt dafür, dass Sie auch in kritischen Situationen souverän bleiben.
Wenn Sie zusätzlich bei jeder Handlung fragen
„Was bedeutet das für unser Wir – und für andere?“
wird Ihr Führungsverhalten nicht nur klarer, sondern auch nachhaltiger.
To-dos
- Beobachten Sie diese Woche bewusst, wann Sie bewerten – und wie Sie verwerten.
- Notieren Sie typische Situationen, in denen die positive Grundannahme Ihnen helfen würde.
- Üben Sie, bei jeder Reaktion erst zu fragen: „Was bedeutet das für unser Wir – und für andere?“
- Entwickeln Sie anhand der Matrix ein eigenes Frühwarnsystem für destruktives Verhalten.
Herzliche Grüße
Ihr Daniel Hoch
PS. Das Leben ist schön.
Illustration und Text teilweise mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt.
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