Sich unentbehrlich machen und seinen Job mit Hilfe von Überstunden sichern. Funktioniert das wirklich? Experten sind da skeptisch. Arbeiten bis zur Erschöpfung ist keine Garantie für den Erhalt des Jobs.
Eine aktuelle Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigt: Längere Arbeitszeiten gehen mit einer deutlichen Erhöhung des Risikos gesundheitlicher Beschwerden einher. So nehmen gesundheitliche Symptome wie Schlafstörungen, Rücken- oder Herzbeschwerden mit der Arbeitszeitdauer zu.
Auch York Scheller, Gesundheitsmanagement-Experte der Techniker Krankenkasse, sieht zu viele Überstunden kritisch: "Häufen sich über einen längeren Zeitraum die Überstunden, fehlt dem Arbeitnehmer der Ausgleich. So gehen etwa soziale Kontakte zurück. Aber gerade solche Beziehungen geben Kraft."
Der Diplom-Psychologe weist noch auf ein anderes Problem hin: Mit der Länge der Arbeitszeit steigt auch die Fehlerquote. "Wer glaubt, durch längere Arbeitszeit mehr zu schaffen als jemand, der kürzer und effektiver arbeitet, irrt!" Es gibt also einige gute Gründe, nicht ständig Überstunden zu machen.
Aber helfen Überstunden wenigsten bei der Jobsicherung? "Wenn in Ihrem Unternehmen derzeit wegen einer Auftragsflaute ohnehin zu wenig zu tun ist, um die normale Arbeitszeit auszufüllen, macht es natürlich keinen Sinn, zusätzlich noch Überstunden zu machen", betont Hannelore Fritz, die als Business-Coach Prozessveränderungen in Unternehmen begleitet und Führungskräfte coacht.
Allerdings sei in manchen Funktionen jetzt in der Tat besonders viel zu tun. So müssen Mitarbeiter im Vertrieb und Verkauf zurzeit viel arbeiten, um die Auftragslage zu verbessern. Aber das heißt noch lange nicht, dass Überstunden gewünscht oder gewollt sind.
"Heute erwarten die Chefs in der Regel, dass die Arbeit in der vorgegebenen Zeit erledigt wird. Braucht jemand länger, kann dies auch ein Zeichen für mangelnde Organisation sein", betont Fritz. Im Klartext: Wer extra lang im Büro sitzt, zeigt damit nicht unbedingt, dass er erfolgreich und engagiert ist.
Außerdem führen Überstunden zu Mehrkosten... für Unternehmen in der Krise ein Grund, auf sie zu verzichten. Es liegt deshalb auf der Hand, dass Chefs gerade jetzt darauf schauen, wer effektiv arbeitet und wer nicht.
Das sieht auch York Scheller so: "Ein guter Chef erkennt, ob ein Mitarbeiter effizient ist und zum Beispiel delegieren kann. Die bloße Anwesenheit am Arbeitsplatz zählt nicht. Natürlich ist es aber auch wichtig, bei unerwartetem Arbeitsanfall auch einmal länger zu arbeiten."
Wird dann die Arbeit wirklich mehr, weil Mitarbeiter entlassen wurden und Tätigkeiten neu verteilt werden müssen, geht es darum, sich gut zu organisieren. "Fragen Sie sich, ob Sie neue oder andere Prioritäten setzten müssen. Vielleicht gibt es Aufgaben, die überflüssig sind oder die Sie anders erledigen können", erklärt Fritz.
Sind Überstunden trotz guter Organisation unvermeidlich, helfen schon einfache Maßnahmen, um die Belastung durch Überstunden zu reduzieren. Scheller empfiehlt: "Machen Sie zwischendurch unbedingt kleine Pausen! Nutzen Sie dafür jede Gelegenheit. Wenn Sie etwa Ihrem Kollegen im gleichen Haus etwas mitteilen wollen: Gehen Sie doch in sein Büro statt ihm eine Email zu schicken! So bewegen Sie sich und können auch noch durchatmen." Auch die Mittagspause sollten Arbeitnehmer ganz bewusst nutzen: "Vermeiden Sie in der Kantine das Thema Beruf, sondern plaudern Sie über etwas anderes. Denn das ist wichtig, um den Kopf wieder frei zu bekommen."
In Zeiten großer Arbeitsbelastung ist der gute Kontakt zu Kollegen Gold wert. "Dann können kleine Unterstützungsmaßnahmen Ihrer Kollegen Ihnen sehr helfen", erklärt Scheller. Allerdings werden Arbeitnehmer nur dann auf hilfsbereite Kollegen treffen, wenn sie selbst auch bereit sind, andere zu unterstützen.
Deshalb Schellers Tipp: Seien Sie kooperativ und hilfsbereit. Und zwar schon bevor es schwierig wird.
Quelle:
http://magazine.web.de/de/themen/beruf/karriere/8159456-Uebe...
Ihr Daniél Hoch